|
Kritik zum Auftritt im Fenster, Weisweil, am 15.01.2000
Eine Stimme, die Emotionen weckt
Die Jazzsängerin Elena Poletti im Weisweiler "Fenster": Spontan und lebendig
WEISWEIL. Mit viel Stimme, Ausstrahlung und einer neuen
Band trat Elena Poletti im "Fenster" auf. Die Jazzsängerin aus Italien
gastierte bereits zum zweiten Mal bei der Weisweiler Kleinkunstbühne.
Elena Poletti hat eine großartige dunkle Stimme mit Kraft und Ausdrucksstärke.
Sie gestaltet nicht nur Musik, sondern bringt eine spannende Unterhaltung
auf die Bühne. Dazu kommt ihre Ausstrahlung und sie weiß, wie
man das Publikum von Anfang an fesselt. Bereits mit dem ersten Song hatte
sie die volle Aufmerksamkeit im ausverkauften Weisweiler Haus.
Elena Poletti erzählt in ihren Songs Geschichten, lässt mitfühlen
und miterleben. Sie interpretiert Musik und Text, und was sie sagen will,
kommt stets 'rüber, egal ob sie es mit englischsprachigen Texten,
auf italienisch oder ganz ohne Text und nur mit den Ausdrucksmöglichkeiten
ihrer nuancierten Stimme angeht.
Die Künstlerin absolvierte eine klassische Gesangsausbildung in
Italien. Nach Jahren als Background-Sängerin in Studio- und Live-Projekten
wählte sie eine Solokarriere mit eigener Band. Nach Weisweil war sie
entgegen der Ankündigung mit einer neuen Besetzung gekommen. Am Schlagzeug
wirkte Frank Bockius, am Piano Michael Sattler, beide aus Freiburg. Mit
dem Kontrabass setzte Jean-Luc Miotti aus Straßburg eigene Akzente.
Miotti ging über die im klassischen Jazz rein rhythmische Rolle hinaus
und zeigte sich als engagierter Vertreter des modernen Jazz, in dem der
Bass längst solistische Aufgaben übernommen hat. Im Zusammenspiel
brachten Elena Poletti und ihre neue Band den Eindruck von Spontaneität
auf die Bühne, was das gemeinsam und sorgfältig vorbereitete
Porgramm mit dem Gefühl von noch mehr Live-Erlebnis würzte.
Für ihren zweiten Auftritt im "Fenster" hatte Elena Poletti vorwiegend
Lieder ausgesucht, die aufwühlen und packen können. Diesem Anspruch
wurden etwa die Balladen "The End Of A Love Affair" und "Don't Go To Strangers"
mehr als gerecht. Sie ließen die Emotionen fast greifbar werden.
Aufgelockert wurde die dichte Atmosphäre mit Swing und Songs, die
wie die "One-Note-Samba" Lebensfreude und allein schon durch den Rhythmus
Lebendigkeit ausstrahlten. Bei den Gästen gab es dafür rauschenden
Beifall. |
|
Ilona Hüge, Badische Zeitung 20.1.2000
|
|